Probetörn

02.09.2018 - Auf geht’s. (Beni)

Es ist gepackt, dass Auto ist wieder mal gestossen voll. Die Dach box ging nur mit drei Spannsets zu. Leider musste unser Grill zuhause bleiben. Wir konnten ihn nirgends mehr verstauen.

 

In der ersten Woche wird die ganze Stromerei vorbereitet, Einkäufe erledigt und der Unterwasser zuerst Versiegelt und dann mit Antifouling behandelt. Die Segel werden angeschlagen und hier und da wird etwas Kleines montiert.

 

In der zweiten Woche geht’s ins Wasser. Nach einem kurzen Schlag laufen wir im Hafen Porquerolles ein. Dies ist schon fast Tradition bei uns. Zum Glück teilt uns der Hafenmeister den allerletzten Platz zu (seinen eigenen). Die Temperatur des Motors ist schon bedenklich angestiegen und ich wechsle am Sonntag die Wasserpumpe. Am Montag geht’s weiter nach Bormes-les-Mimosas zur Motorenrevision. Eigentlich ist dieser Hafen nur gute 2 Motorenstunden entfernt. Aber ohne Motor (Problem war nicht die Wasserpumpe) und ohne Wind kamen wir erst gegen 1500 Uhr an. Am nächsten Tag nahm Bruno von Motor Marine den Motor auseinander und kam tags darauf zurück um mit mir den neuen Alternator zu montieren. Er half ebenso bei der Elektrik. Am Donnerstag kamen die revidierten Teile wieder Montiert und das aller Letzte Teil folgte am Freitag. Alles wird peinlich genau getestet und für gut befunden. (Naja, Bruno zweifelte sehr an meinen Elektrokünsten)

 

Am Freitagmittag mussten wir den Hafen verlassen und machten uns nach einem kurzen Bade halt auf den Weg nach Korsika. Wir waren etwas unter Zeitdruck, da das Wetter nicht besser wurde und startete (völlig unvorbereitet). Der Autopilot war falsch gekoppelt und überlastete immer wieder die Sicherung. Folglich steuerte ich fast 12 Stunden am Stück mit 25-35kn achterlich und vollem Grosssegel. Anja kam am frühen Morgen, als der Wind bedeutend schwächer war und ich legte mich aufs Ohr. Gegen Mittag kamen wir in Calvi an und ankerten. Es war wunderschön.

 

Den nächsten Tag 16.09 blieben wir am Anker. Ich versuchte mich am Motor des Dinghis. Es bleib beim Versuch und zwei grossen Blasen an den Fingern...

 

17.09. wir starten und kurz darauf meint Anja, dass die Angel komisch gebogen sei. Ich dachte, dass dies nicht möglich ist. So schnell fänge ich sicher kein Fisch. Tatsächlich hing unser Znacht daran :-) Wir segelten bis St. Florent. Bei der Ankunft regnete es und die Sicht war nicht so toll. Ich nutzte die Gelegenheit und kniete mich in die Funktionalitäten des Radars. Sicher am Anker machte ich mich auf einen Fussmarsch von 2km zum nächsten Shipchandler. Nein, Elektromotoren gibt’s nur auf Bestellung...

Also zurück zum Schiff und den Abend mit einem Fondue ausklingen lassen.

 

18.09 Ich drohe dem Motor noch einmal sehr ernst und siehe da. Er funktioniert... Ab geht’s in den Mast um den Radarreflektor zu installieren. Am Top wird mit dem Fein eine Nut abgetrennt und ein Führungsring angebracht. Ich fand dies recht lustig auch wenn die Fähren manchmal gar ein Geschaukel veranlassten. Anja weniger...

 

Am 19.09 geht’s weiter ums Cap Corse. Es hat dort oben recht Wind und weil er auf die Nase kommt, geht’s nur mit Motor voran. (Anja ist noch nicht so in Segellaune) Wir ankern an einem Traumhaften Strand und fahren mit dem Dinghi an Land. Am Abend sehen wir Elba und weil Anja immer von dieser Insel geschwärmt hat, brechen wir am Morgen dorthin auf.

 

20.09 Traumhaftes Segelwetter. Wir kommen sehr komfortabel und schnell vorwärts. Leider fällt mir die Kamera aus den Händen und das Objektiv bricht ab :-(

Wir legen in Portoferraio an und neben uns sind sehr sympathische Österreicher. Zusammen fachsimpeln wir noch bis in den Abend und geniessen eine Flasche Weisswein.

 

Am nächsten Tag geht’s mit dem eisernen Segel zurück. Mir war langweilig und ich nutzte die Zeit um Ordnung ins Kabelwirwar zu bringen. Am Abend kommen wir erst in der Dämmerung an und der Anker hält schlecht. Zudem hat es enormen Schwel. Wir schlafen sehr schlecht. Nach einer Kriesensitzung habe ich keine Wahl als Anja zuzustimmen und wir ändern den Plan. Es geht zurück nach Bastia. Kurz vor dem Einlaufen wird noch die Taufzeremonie endlich nachgeholt und das Schiff soll nun mit allem Drum und Dran Anduril heissen.

 

Nach Bastia geht es weiter zurück zum Cap Corse. Wir ankern in der Nähe von Macinnaggio. Am folgenden Morgen dreht der Wind und der Anker beginnt zu treiben. Wir machen uns auf den Weg und kämpfen beim Cap Cors mit beträchtlichem Gegenwind und den hohen Wellen vom Mistral.

 

Schutz finden wir wieder in Saint Florent. Unser Ankerplatz hat diesmal leider recht viel Schwel und darum zieht es uns nach 2 Nächten in den Hafen. Wir müssen auch noch unser Dinghi reparieren. Es hat den Boden halb verloren. Während dieser entspannten Zeit kann ich wiederum viel erledigen und komme gut in der ToDo Liste vorwärts.

 

29.9 Es geht zurück in Richtung Festland. Diesmal ist es zunächst super entspannend. Alles läuft wie es soll. Wir segeln Amwindkurs bei gut 20-25kn. Unser Schiff fliegt ruhig über das Wasser und Wellen. Das GPS registriert eine Spitzengeschwindigkeit von 14.7kn. Ich bin BEGEISTERT... Nahe der Küste, spät in der Nacht nimmt der Wind zu und dreht so, dass wir hart am Wind segeln. Ich bin froh, dass ich neben dem AIS auch Radar mit Kollisionswarnung habe. Ein kleiner Segler dreht seinen Kurs immer wieder gegen uns...

 

Es ist Sonntagmorgen, wir fangen noch eine schöne Goldmakrele und ankern in Nizza zwischen hunderten von Booten. Nach einer ruhigen Nacht in bester Lage, kommt der Tag, den wir gerne nicht gehabt hätten:

Montag 01.10. Ankerwinsch funktioniert nicht mehr. Ich hole den Anker von Hand herauf und finde den Fehler schnell. Ein Kabelschuh hat sich gelöst. Es geht’s weiter mit schönem leichtem Wind. Gerade gut zum gemütlich Segeln. Wir ankern bei der Insel St.Marguerite bei Cannes. Beim ersten Versuch, kamen wir dem Land zu nahe und setzten mit dem Kiel im Sand auf. Beim zweiten Ankermanöver habe ich die Fernbedienung der Ankerwinsch aus dem Stecker gerissen, als sich das Kabel mit der Winsch schraube verhedderte. Ich suche nach der Lösung welches der vier Kabel in welchen der drei Möglichkeiten kommt. Da informiert mich Anja, dass der Wind gedreht hat. Ich kann gerade mal aus der Segelkammer krabbeln schon sind wir in einem Anfahrtskanal für die Motorboote und drücken mit der Ankerkette gegen eine Boje. Wir heben den Anker und setzten gegen den Wind an. Der Wind wird kräftig bis zu 7Bf. Wir suchen Schutz an der Felswand an der anderen Seite der Bucht. Dort angekommen beende ich die Reparatur der Fernbedienung und teste diese. Der Wind ist abgeflaut und als ich einen Rundumblick mache, kommt mir einiges komisch vor. Zeit um zu reagieren haben wir nicht mehr. Es kommt direkt eine Gewitterfront auf uns zu. Das Schiff dreht sich, der Ankeralarm springt an und die Felswand kommt näher und näher. Wir waren schon sehr nah, zirka 25m! Der Anker (70m) wird mit Heck zum Wind gehoben. Die Wellen spritzen bis auf den Kartentisch. Der Anker ist oben und ich übernehme das Steuer. Der Wind zeigt über 9Bf an. Das ist Sturm. Ich war noch nie in einem Sturm. Und erst recht nicht so nah gegen eine Klippe mit Frau und zwei Kinder. Ich steuerte konzentriert gegen den Wind an und arbeitete diverse Notfallszenarien aus. Anja will die Kinder und sich ins trockene bringen und als sie den Niedergang hinunterwill, geschieht das was nicht sollte. Schritt, nasser Tritt und Welle, lassen sie ausrutschen und sie fällt hinunter. Laaaange Sekunden, in denen ich nichts anderes machen konnte als weitersteuern vergehen bis sie wieder aufsteht. Phu, zum Glück hat sie nur blaue Flecken und ein Finger musste etwas getaped werden. Wir fahren unter Volllast mit knapp zwei kn gegen Cannes. Dort ankern wir in der Badezone. Dort herrscht ein Ankerverbot bis 30.9 und entsprechend meinen wir dürften ankern. Am Abend kommt ein Fischer reklamieren, nach diesem Tag, war mir das recht egal. Wir wurden mit dem allerkitschigsten Abendrot der ganzen Reise belohnt für diesen Tag.

 

Nach einer ruhigen Nacht, stört uns dann tatsächlich die Security beim Frühstück. Sie meinten wir dürften hier nicht sein. Nachdem ich sie fragte, ob sie gestern das Wetter mitbekommen hätten und wir sowieso gerade aufbrechen wollten, waren sie zufrieden. Sie warteten dennoch, bis wir den Anker aufgezogen hatten. Der Wind ist fantastisch zum Segeln. Wir kommen mit wenig Krängung und fast 9kn Schnitt voran. In der Bucht vor Saint Tropez geht es zur Sache. Ich bin unter Motor voll konzentriert. Ich schätze es hatte um die 500 Segelschiffe wenn nicht mehr. Es lief gerade die Regatta Les Voiles de Saint Tropez. Dementsprechend war alles voll. Wir ankerten vor Port Grimaud und es kam ein Schweizer Lasersegler "Hallo" sagen. Wir fallen auf mit unserem Schiff und Flagge.

 

03.10 Meine Mutter kommt uns in Bormes-les-Mimosas besuchen. Leider ist der ÖV in Frankreich nicht so top wie in der Schweiz. Sie musste fast 1,5 Stunden laufen, weil der Fahrer sie nicht verstehen wollte. Wir starteten am nächsten Tag nach Porquerolles und kamen an, als der Ostwind gerade richtig anfing zu blasen. Wir verbrachten zwei schöne Tage zusammen auf der Insel und starteten dann schlussendlich am 06.10 für den letzten Schlag zurück nach La Seyne.

 

Dort fand noch ein kleines Fest auf unserem Schiff statt, die Familie von Anja, war gerade in den Ferien und sie kamen uns besuchen. Danach lief alles recht schnell ab. Da die Wettervorhersagen nicht ideal waren, wurde das Schiff am Montag an Land gestellt. Segel wurden geborgen und bei der Werft zum Reinigen deponiert. Die Werft macht einen super Job und ich bin froh, einen so guten Partner gefunden zu haben. Nach der Aufräumaktion geht es leider wieder zurück in die Schweiz.

 

Fazit: Das Schiff ist top und ich vertraue dem Material und der Technik (alles was nicht Vertrauen erweckte wird noch getauscht). Wir müssen im Juni bei unserem Start die Handbremse anziehen. Wir waren zu schnell unterwegs und hatten uns zu wenig Zeit für uns und vor allem für Anaïs gegönnt.